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Raus in die Raucherecke PDF Drucken E-Mail

VON SABINE STRAUß, Südkurier.de
 
Wir müssen draußen bleiben. Raucher in Unternehmen haben sich daran gewöhnt, dass in Büros und Produktionshallen häufig nicht mehr gequalmt werden darf. 
 
Vorbei sind die Zeiten, in denen in Büros, Pausenräumen und Cafeterias von Unternehmen noch unaufhaltsam gepafft und gequalmt wurde. Wo sich der blaue Dunst im Firmengebäude ausbreitete und sich in Teppichböden und Raufaser festbiss. Heute sind die Wände weiß, die Büromöbel ausgelüftet und die Aschenbecher abgeschraubt. Beinahe unbemerkt hat die Bundesregierung im Sommer vergangenen Jahres die Arbeitsstättenverordnung geändert. Seither müssen Unternehmen betriebliche Rauchverbote erlassen, "soweit dies erforderlich ist". Doch viele Firmen in der PROFIT-Region sind dem Gesetz schon zuvor gekommen - und schicken ihre Raucher längst vor die Tür.

Bei der Zeppelin Luftschifftechnik GmbH in Friedrichshafen gilt seit der Firmengründung 1993 ein absolutes Rauchverbot. "Wir sind ein hochtechnisiertes Unternehmen", erklärt Geschäftsführer Thomas Brandt, "bei uns darf schon allein aus Sicherheitsgründen nicht in den Fertigungshallen geraucht werden." Und da die Gesundheit der Mitarbeiter im Vordergrund steht, beschlossen die Zeppeliner das Rauchverbot auch auf die Bürozonen auszuweiten. Heute, schätzt Brandt, rauchen gerade mal noch zehn Prozent seiner Belegschaft.

Auch bei der Novartis Pharma Produktions GmbH in Wehr müssen Raucher draußen bleiben. Stufenweise wurde dort im Jahr 2006 das Rauchverbot, angelehnt an die Aktionen der Novartis Rheintalwerke in der Schweiz, eingeführt. Zunächst gab es einen Raucherentwöhnungskurs, geleitet von der Betriebsärztin. Später wurden die Flure, Aufenthalts- und Sozialräume zur rauchfreien Zone erklärt, ein halbes Jahr später folgten die Büros. Heute müssen die Raucher raus aus dem Betriebsgebäude auf den Hof des Werkgeländes. Dort darf der Glimmstängel nur an drei ausgeschilderten, überdachten "Raucher-Punkten" angezündet werden. Allein die Produktionsmitarbeiter dürfen, aus "betrieblichen Gründen", wie das Pharmaunternehmen mitteilt, noch in einem abgetrennten Raucherraum drinnen qualmen. Das Fazit des Unternehmens nach zwei Jahren: "Das Rauchverbot wurde sogar von den Rauchern sehr gut aufgenommen und begrüßt. Einige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben im Zuge der neuen Regelung aufgehört."

Doch was bringt der Kampf gegen die Nikotinsucht wirklich? Fakt ist: Die Zahl der rauchenden Deutschen ist trotz der verordneten Warnhinweise, trotz drastischer Tabaksteuererhöhung und strikter Rauchverbote in Kneipen, öffentlichen Gebäuden und Unternehmen kaum kleiner geworden. Heute rauchen nach Angaben des Instituts für Demoskopie Allensbach noch rund 29 Prozent aller Deutschen. Allerdings sind das immerhin 20 Prozent weniger als in den 50er Jahren, wo noch rund die Hälfte aller Deutschen zur Zigarette griff. Experten meinen jedoch, dass die eigentliche Abkehr schon lange vor den offiziellen Maßnahmen stattfand. Das Bild vom Rauchen hat sich gewandelt: Was einst als chic, als Symbol für Freiheit und Unabhängigkeit galt, ist heute nur noch eines: Eine todbringende Sucht - die auch noch viel Geld kostet.

Und das nicht nur die Raucher und Krankenkassen - sondern auch die Unternehmen. Nach Hochrechungen der Drogenbeauftragten der Bundesregierung belasten die Raucher die deutsche Wirtschaft allein durch Arbeitsausfälle jedes Jahr mit 13,67 Milliarden Euro. Das European Network for Smoking Preventation, eine Non-Profit-Organisation mit Sitz in Brüssel, rechnete sogar aus, dass jeder Raucher den Arbeitgeber durchschnittlich 1040 Euro pro Jahr kostet. Berücksichtigt wurden bei dieser Studie zwar Kosten, die durch Arbeitsausfälle, durch das Rauchen bedingte Krankheiten und einen erhöhten Reinigungsaufwand entstehen. Nicht eingerechnet wurden die Raucherpausen - und die Folgen des Passivrauchens für Nichtraucher.

Anderes Unternehmen, andere Handhabe. Beim mittelständischen Werkzeughersteller Wiha mit Hauptsitz in Schonach setzt man auf das Verständnis der Mitarbeiter. Geschäftsführer Wilfried Hahn ist selbst überzeugter Nichtraucher - und will, dass auch seine Beschäftigten, den Ausstieg aus der Sucht schaffen. "Wir bieten regelmäßig Nichtraucherseminare an", berichtet Personalreferentin Anne Griesbeck, "und wenn ein Teilnehmer es beim ersten Mal nicht packt, kann er wieder teilnehmen. Vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf." Geraucht werden darf bei Wiha schon lange nur noch draußen.

Auch wenn viele große Unternehmen in Baden-Württemberg, wie etwa auch die Daimler AG in Stuttgart, die Bekleidungshersteller Boss und Trigema oder der Schraubenhersteller Würth, schon längst ein Rauchverbot eingeführt haben, noch immer gibt es Betriebe, in denen gepafft werden darf. Ihren Namen veröffentlichen wollen diese Firmen aber nicht. "Bei uns rauchen in der Produktion gut die Hälfte der Mitarbeiter. Wenn ich denen das Rauchen in der Halle verbiete, stehen die Maschinen oft still. Dann sollen die lieber paffen und arbeiten", erklärt der Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens, der namentlich nicht genannt werden will, "den Gang zur Toilette kann ich schließlich auch nicht verbieten."

 

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